Vintage Gitarre kaufen – darauf sollten Sie achten

Das Gegenüber der Vintage Gitarre – die eine elektrische Gitarre oder ein E-Bass ist – ist entweder ein neues Original eines Gitarrenbauers oder eine billige Kopie, die sich optisch an klassischen Vorbildern ausrichtet. Unter Gitarrenkennern ist klar, dass man früher die besten Gitarren baute. Erstklassige Modelle aus alter Zeit nennt man Vintage-Modelle. Man kann sie entweder gebraucht und bereits bespielt kaufen oder als originalgetreuen und limitierten Nachbau des damaligen Herstellers, der ein historisches Modell neu auflegt. Solche Modelle nennt man Re-Issues. 

Die Klassiker der Gitarrenbauer punkteten mit außergewöhnlicher Qualität, wie eine Gibson Les Paul von 1955. Die damals verwendeten Edelhölzer durfte man später nicht mehr verbauen oder sie waren unbezahlbar geworden. Unter dem zunehmenden Preis- und Konkurrenzdruck verfiel man in den Siebzigern und Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts darauf, billigere Korpus-Hölzer zu verwenden und Mechaniken oder Pick-Ups gegen minderwertigere auszutauschen. Gitarrenmodelle dieser Zeit würde man nicht als Vintage-Modelle ansehen. Trotzdem werden sie gelegentlich als solche verkauft. Trotz eines Alters von dreißig Jahren mangelt es ihnen an den Top-Qualitäten der frühen Custom-Modelle. Auch bei Fender unterlag man damals dem Sparzwang. Mit der Massenfertigung kamen auch die Qualitätsverluste. Bestimmte Fender-Modelle aus den fünfziger oder sechziger Jahren erzielen heute Spitzenpreise.

Das Vintage-Label wird häufig Gitarren umgehängt, die es nicht verdienen. Ob eine Vintage Gitarre ein wertvolles Original bester Qualität ist, als solche ausgegeben wird oder optisch auf alt getrimmt wird, ist ein gravierender Unterschied. Manche Gitarren-Modelle haben zwar einige Jahrzehnte auf dem Buckel, stammen aber nicht aus den gesuchten Bauserien der einschlägig bekannten Gitarrenbauer. Für die besonders hochwertigen Vintage-Gitarrenmodelle muss man heutzutage Sammlerpreise zahlen, während sich in den Siebzigern kaum jemand dafür interessierte. Einige Gitarrenserien der vierziger bis sechziger Jahre genießen heute Kultcharakter. In Geschäften, die echte Vintage-Instrumente verkaufen, geben sich auch weltbekannte Musiker die Klinke in die Hand. Ein bereits bespieltes Vintage-Instrument hat oft eine eigene Persönlichkeit entwickelt, die einzigartig ist. Je nachdem, wie oft die Gitarre gespielt wurde, wie sie gelagert und gepflegt wurde oder aus welchem Holz sie bestand, entwickelte sie einen spezifischen Klang. 

Fachleute wissen, dass man so ein Qualitäts-Instrument nur selten kauft, ohne es zu spielen. Viele Gitarristen sind Sammler kostbarer Gitarren, spielen sie aber auch bei Konzerten. Der Klang oder die Bespielbarkeit eines Vintage-Instruments müssen also zu ihnen passen. Nur selten werden Vintage Gitarren als reine Kapitalanlage angesehen, von der man eine Wertsteigerung erwartet. Der Wert liegt eigentlich auch darin, wer das Instrument im Laufe der Zeit gespielt hat.

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